Tarifvertrag im einzelhandel 2019

Eine Analyse anderer Aspekte der Beschäftigungsbedingungen liefert ebenfalls interessante Ergebnisse – siehe Tabelle 6 unten. Charakteristische Merkmale des Einzelhandels sind das hohe Niveau der Teilzeitarbeit und die überdurchschnittlich eiternale Arbeitshäufigkeit an Samstagen und Sonntagen. Teilzeitarbeit in der alten EU 15 betrifft vor allem Frauen (49 % gegenüber 17 % bei Männern), während die Inzidenz in den neuen Mitgliedstaaten viel geringer ist. Was die Arbeit am Wochenende betrifft, so ist die Häufigkeit in beiden Ländergruppen sowohl für Männer als auch für Frauen vergleichsweise hoch, obwohl sie in der EU 15 generell häufiger ist als in den neuen Mitgliedstaaten. Schließlich zeigen die Daten, daß andere Aspekte – wie Leiharbeit und „unsoziale“ Arbeitszeit am Abend und in der Nacht – im Einzelhandel nicht wesentlich weiter verbreitet sind als in anderen Sektoren. Eine Ausnahme bildet, dass ein sehr hoher Anteil von 36 % der Frauen in den neuen Mitgliedstaaten Schichtarbeit betreibt. In anderen Ländern wie Österreich, Finnland, Deutschland, Italien, Norwegen und Spanien ist die Deregulierung viel neuer und in vielen Fällen weiterhin umstritten – siehe Tabelle 10 unten. Das allgemeine Bild ist die Verlängerung der Öffnungszeiten an Wochentagen (einschließlich Samstagen) unter Beibehaltung einiger Beschränkungen für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen (wenn auch mit großzügigen Ausnahmen in bestimmten Ländern). In einigen Fällen haben sich die Gewerkschaften entschieden gegen eine solche Deregulierung ausgesprochen und dort, wo sie stattgefunden hat, versucht, ihre Anwendung durch Tarifverhandlungen so weit wie möglich einzuschränken. Dennoch scheint die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften in diesem Bereich recht begrenzt zu sein, und die Tarifverhandlungen betreffen hauptsächlich die Aushandlung von Ausgleichszahlungen für unsoziale Arbeitszeiten (in der Regel in Form von Lohn oder im Falle Deutschlands bei einer Auszeit). Die bemerkenswerteste Ausnahme bildet Slowenien, wo die Deregulierung der Sonntagsarbeit von den Gewerkschaften heftig angefochten und 2003 in einem von der Gewerkschaft initiierten nationalen Referendum abgelehnt wurde. In einigen der oben genannten Länder sind die Trennlinien ziemlich klar, und die Arbeitgeberverbände können eine gewisse Kooperationsbeziehung untereinander aufbauen.